Die Kälte fordert ihren Tribut

Dec
22

Nürnberg, den 22. Dezember 2009

Hans-Jürgen Graf

Der Kälteeinbruch der letzten Tage fordert in ganz Europa das Leben vieler Menschen. Auch hier in Deutschland hat das “Kältesterben” eingesetzt. Menschen, die bereits an der sozialen Kälte unseres Landes zugrunde gingen, verlieren nun ihr Leben weil niemand in diesem Land sich je für sie interessierte. Jedes Jahr aufs Neue erfrieren Menschen auf der Straße, in ihren Wohnungen, in Zelten usw. Hier die Meldungen dazu:

Kältewelle in Europa: Schon 170 Todesopfer

Europa ächzt nach wie vor unter der extremen Kälte mit zweistelligen Minusgraden. Die Zahl der Kälteopfer, insbesondere in Osteuropa, steigt unaufhörlich an.

Hier zum Artikel

Obdachloser in Altenburg erfroren

21. Dezember 2009

Der Artikel in NewsADHOC

Bad Homburg: Rentner in seiner Wohnung offenbar erfroren

Ein 79-jähriger Mann ist am Sonntagabend tot in seiner Wohnung im Bad Homburger Stadtteil Ober-Erlenbach aufgefunden worden. Der alleinlebende Rentner wurde durch Angehörige leblos in der Wohnung entdeckt, wie die Polizei mitteilte. Ein Notarzt habe nur noch den Tod des Mannes feststellen können. Vermutlich ist er in seinen eigenen vier Wänden erfroren.

Hier der Artikel

Tödliche Kälte

08.01.2009, 17:15

Jede Nacht kann tödlich sein: Obdachlose sind der Kältewelle schutzlos ausgeliefert. Eine Frau ist in der Nacht auf Donnerstag in ihrem Zelt erfroren.

Hier der Artikel in der Süddeutschen

Lebst Du noch, oder „hartzt“ Du schon?

Nov
27

Eine Meinungsäußerung von H. J. Graf zum jüngsten Suizid (siehe hier) im Zusammenhang mit Hartz IV und allen bisherigen Geschehnissen dieser Art.

Nürnberg, den 25. November 2009

((c) Templermeister/Pixelio)

Sarg2

Wie lange soll in diesem Land noch „sozialverträglich“ gestorben werden?

Viele Menschen in unserem Land, besonders unter den Betroffenen, denken dass durch die Einführung des Arbeitslosengeldes II (Hartz IV), eine neue Armut etabliert wurde. Das ist nur bedingt so. Ganz sicher hat sie dies soweit, als das nun auch erwerbstätige Menschen von der „Hilfe des Staates“ abhängig werden können.

Ja, es ist möglich in unserem Land einer vollschichtigen Erwerbstätigkeit nachzugehen und trotzdem Leistungen des Staates nötig zu haben um sich selbst und seine Familie grade mal so ernähren zu können. Besonders hart trifft es aber diejenigen, die bereits nicht mehr in der Lage sind zu arbeiten und ganz von solch einer Leistung abhängig sind oder

diese brauchen um ihre Rente aufzubessern, die bereits schon durch zahlreiche Finanzmitteltransfers aus der Rentenkasse, drastisch unterhalb eines Minimums zum Führen eines würdigen Lebens liegen.

Menschen, die diese Leistungen beantragen, erleben zum großen Teil eine herabwürdigende, ausgrenzende und menschenverachtende Behandlung bei den Ämtern die dafür zuständig sind. Sie müssen sich bis auf’s Hemd ausziehen und wenn nötig sich auch noch wohin fassen lassen, um es mal bildlich auszudrücken, damit auch ja gesichert ist dass sie keinerlei unerlaubte Geldmengen irgendwo gebunkert haben. Sie erleben Schikane pur, die durch eine perfide Methodik, besonders wirksam ist. Bei den ARGEn und Sozialämtern werden die Sachbearbeiter in einem unregelmäßigen Rhythmus gewechselt, hinzu kommt dann noch dass die übernehmenden Kollegen wahrscheinlich bewußt oder unbewußt nicht alle Informationen erhalten und dann, wenn sie Infos brauchen, den Weg zur Akte im Schrank oder Archiv scheuen und diese dann lieber wieder beim Hilfebedürftigen anfordern. Denn der hat ja schließlich eine Mitwirkungspflicht. Die Mitwirkungspflicht, die einen hilfesuchenden Bürger zum Laufburschen der Ämter macht.

Unter dem Druck von Sanktionen bis zum gänzlichen Leistungsentzug werden die Menschen gezwungen, auch über die Grenzen der gesetzlichen Mitwirkungspflicht hinaus, ihre Informationen, Unterlagen und vieles mehr offen zu legen. Sind die „Kunden“ aber ein wenig störrisch oder möchten nicht so gerne alles offen legen, was sie sollen, dann ist nicht nur der vollständige Leistungsentzug mit all seinen Folgen wie Wohnungsverlust, Arbeitsverlust, vollständige Obdachlosigkeit, das Mittel der Wahl. Nein, es gibt durchaus noch andere Methoden. Man schickt dem Hilfebedürftigen ein paar Ermittler ins Haus, die sich, wenn sich der Hilfebedürftige nicht zu wehren weiß, eine Übersicht bis in die Unterhosen hinein verschaffen. In verschiedenen Foren im Internet berichten Betroffene darüber, wie sie unter Druck gesetzt wurden und manchmal sogar bedroht, um dieses Ziel zu erreichen. Etwas einfachere und dadurch scheinbar beliebtere Methoden sind solche, wie der Verlust von Antragsformularen oder Schreiben der Betroffenen. Dann ebenso die Unerreichbarkeit am Telefon. Grundsätzlich werden, so scheint es hier an meinem Ort üblich, keine Eingangsbestätigungen versandt.

Es gibt sicherlich noch weitere, am Kunden spezifisch orientierte, Methoden um diesen unter Druck zu setzen oder zu schikanieren. Hier sollte sich der geneigte Leser einmal in den Foren der Betroffenen kundig machen und er wird so manches Lesenswertes finden. Diese Methodik ist jedoch nicht neu. Sie gab es schon zu Zeiten des Sozialamtes, ohne die ARGEn. Auch dort wurden die Betroffenen schon schikaniert und rechtlos gestellt. Rechtlos insofern, als dass sie nicht über ihre Rechte aufgeklärt wurden und nur das bekamen, was sie von sich aus beantragten und worüber sie sich selbst Kenntnis verschafften. Als das neue System des Arbeitslosengeldes II eingeführt wurde, wurden noch weitere Methodiken der breiten Masse offenbar, die bereits zwar in kleinerer Zahl aber ebenso wirkungsvoll, vorher von Sozialbehörden genutzt wurden. Eine sehr beliebte Methode, besonders bei den ARGEn und Job-Centern, ist die der rigorosen Ablehnung von Anträgen und Widersprüchen mit oft genau übereinstimmenden Ablehnungstexten gleicher Art, bis hin zum Verfahren vor den Sozialgerichten.

Es erscheint einem hier so, als soll diese Methodik breit angewandt werden, da die Hoffnung dabei besteht, dass nicht sehr viele wirklich den Weg zu den Gerichten suchen. Auch hier wurde den Verwaltungsinstrumenten für ALG II der Weg durch den Gesetzgeber geebnet, der die Voraussetzungen dafür schuf, dass diese Institutionen keine Kosten beim Sozialgericht tragen müssen. Bereits bei der Rekrutierung von Mitarbeitern wurde, so berichteten einige Seiten im Internet und Dokumentationen bei Sendungen wie Monitor usw., kein großer Wert auf Qualifikation für diesen Job gelegt. Qualifizierte Personen scheinen zu viel mitzudenken. Es wurden wohl diejenigen gesucht, die ihr Denken in der Arbeit soweit beschränken können, dass sie in der Lage sind weitgehend automatisiert ihr Werk zu verrichten. Diese Mitarbeiter dann noch in weitgehender Unwissenheit gelassen mit internen Dienstanweisungen, die ihnen zwar ihr Vorgehen in den leistungsrelevanten Akten vorgeben, aber sich nicht unbedingt an der Gesetzeslage „orientieren“ müssen, verrichten ihr Werk der Ausgrenzung, Benachteiligung und Verachtung in exzellenter Weise.

Ein Berg von Papierkram, Mitarbeiter die nur ihre Anweisungen umsetzen, rigide Einsparpolitik und keinerlei Achtung vor der menschlichen Existenz sind, so meine Meinung, die heutigen Voraussetzungen für einen sozialdarwinistischen Prozess unter den Menschen, die lediglich in einer verfahrenen Lebenssituation Hilfe von dem Staat suchen, in dem sie leben und der für sie Verantwortung trägt. Doch die will er nicht mehr tragen, denn die Verantwortung ist finanzintensiv. Und die Finanzen haben in unserem Staat schon die Banken und die etablierten Wirtschaftsgiganten gepachtet.

Nun kommt ein Mensch aus dem Arbeitsmarkt, auf dem er bereits schon seit Jahren ausgebeutet, ebenfalls schikaniert und immer wieder mit der Drohung um den Verlust des Arbeitsplatzes zu Mehrarbeit, Urlaubsverzicht und Sonderleistungsverzicht gezwungen wird, in diese Maschinerie hinein. Bereits geschädigt durch den wachsenden Druck, die Schikanen auf dem Arbeitsmarkt oder heute ja auch bereits in den höheren Schuljahrgängen, erhofft er sich nun in seiner prekären Situation Hilfe. Nein, die bekommt er dort in den wenigsten Fällen. Dort wird fortgesetzt, was die Unternehmens- und Bildungswelt begonnen und noch nicht vollendet hat. In diesem System, das viele Betroffenen bereits so kennen lernen durften, kann nur ein Starker überleben. Einer, der vielleicht kerngesund oder mehr gefestigt als andere, hier hinein kommt. Doch wer ist das von diesen Menschen denn noch? Nur wenige. Die anderen werden irgendwann auf der Strecke bleiben, je länger sie in diesem System der Auslese verbleiben.

Bereits 2007 wurden einige Geschehnisse bekannt, die von Menschen handelten die an diesem System zugrunde gingen. Die sich das Leben nahmen oder durch chronische Erkrankungen und Stress ihr Leben ließen. Immer wieder wird in Medien davon berichtet, dass Menschen sich selbst das Leben nehmen weil sie diesem Druck nicht mehr standhalten konnten. Weil sie sich wegen Leistungskürzungen oder -entzug keine Medikamente mehr besorgen konnten oder nicht mehr ausreichend zu essen hatten. Das Gros der Gesellschaft unseres Landes scheint darüber hinweg zu sehen. Was sind das schon für Typen? Sind doch eh meist Versager oder Gescheiterte oder Kranke, die uns nur auf der Tasche liegen. Einer mehr oder weniger, was macht’s? So habe ich selbst schon Menschen in den Straßenbahnen, S-Bahnen und Bussen reden hören wenn wieder einmal ein solcher Fall durch die Medien ging. Als Betroffener haben mich diese Aussagen äußerst hart getroffen. Wie muss es dann einen Menschen treffen, der noch mehr Jahre als ich gearbeitet hat, noch mehr Überstunden geleistet hat, noch mehr Nachtarbeit und noch viel mehr auf Urlaub und Feiertag verzichtete?

Es ist eine Schande wie so mancher Mensch hier über den andern denkt ohne auch nur eine einzige Sekunde dessen Leben wirklich gekannt zu haben. Noch ist keiner Schuld an seiner Situation wenn er erkrankt und das vielleicht sogar an chronischen Krankheiten, denn Krankheit sucht sich den Menschen aus und nicht der Mensch die Krankheit. Welcher Mensch ist definitiv schuld an seiner Behinderung? Sie meinen möglicherweise einer der betrunken Auto fuhr und verunglückte oder einer der rauchte oder einer der seine Sicherheitsanweisungen am Arbeitsplatz missachtete? Was macht Sie so sicher, dass er dies wirklich mit voller Absicht tat? Was macht Sie so sicher, dass der Alkoholiker noch Herr über seine Entscheidungen ist? Was macht sie so sicher, dass nicht der Arbeiter, der die Sicherheitstafeln am Arbeitsplatz nicht beachtete, vielleicht einer der vielen Menschen war, die über viele Jahre hinweg ihren Analphabetismus kaschieren konnten?

Sie sehen, nur wenn man das Leben desjenigen wirklich genau kennt, kann man möglicherweise aussagekräftige Schlüsse darüber ziehen. In den allermeisten Fällen, in denen ich über das Leben und die Entscheidungen anderer Menschen die nicht zu meinem engsten Kreis gehören, her ziehe, richte ich nur und verletze, setze seelische Wunden. Und von dem was ich behaupte oder weitersage trifft meist nichts zu. Nun gibt es eben einige Menschen, die halten die verletzende und verachtende Sozialpolitik unseres Staates und eine populäre Geisteshaltung wie eben beschrieben nicht mehr aus. Sie nehmen sich das Leben, sie entscheiden sich für den Tod.

Diese Menschen riefen vorher um Hilfe, nur wir hörten sie nicht oder sie durften nicht gehört werden. Sie wollten Hilfe und wir gaben sie ihnen nicht. Sie lagen im Dreck und wir traten noch drauf. Sie wurden schikaniert und andere sahen dabei zu. Ihnen wurde die Lebensgrundlage entzogen und viele nickten nur zustimmend. Diese Menschen, die sich das Leben nahmen und die aus anderen „sozialen Selektierungsgründen“ starben, sind ein gesammelter Hilferuf dieser Gesellschaft, dieser Kultur. Einer Gesellschaft, die selbst kurz vor dem Exitus (=Tod) steht. Solange wir in unseren Köpfen und Herzen nicht einen Weg zueinander über alle gesellschaftlichen Grenzen hinweg finden, solange werden machtgierige Politiker und finanzgeile Wirtschaftsbosse, als auch die spielsüchtigen Banker am Willen des Volkes vorbei, mit einem kalten Lächeln auf den Lippen, regieren und handeln. Sie werden weiter Arbeitsplätze abbauen und die, die noch arbeiten in heillose Überstunden und Mehrarbeit jagen, sie werden immer jüngere Arbeitnehmer bis über ihre Grenzen hinweg verheizen. Sie werden ihnen immer mehr Rechte nehmen bis keine mehr da sind und sie werden sie weiter in Armut, Hunger und Obdachlosigkeit treiben. Und sie werden den Älteren das Leben schwerer und schwerer machen.

Die Zeit, auf politische Erlöser zu hoffen, ist, so denke ich, vorbei. Wo sollten sie her kommen? Welche Partei in der heutigen politischen Landschaft hat denn wirklich ein überzeugende Programm, das sie auch nach der Übernahme politischer Verantwortung wirklich durchsetzt? Eher zeigten sich gerade die, die sich so gerne als die „sozialen Retter“ darstellen, in politischer Verantwortung als diejenigen die ihr „Ja“ zur Abschaffung von Erleichterungen für sozial schwächere Menschen gaben. Wo sind die Hoffnungsträger parteipolitischer Herkunft? Mir fällt keiner ein. Soll Ausgrenzung in breitestem Ausmaß, Benachteiligung statt Inklusion, Schikane und Verachtung unser täglich Brot werden und bleiben? Sollen Wenige tatsächlich solch eine Macht über Viele haben? Sehe und höre ich die Gespräche in den öffentlichen Verkehrsmitteln, im Cafe oder auf der Straße, dann habe ich wenig Hoffnung. Wenig Hoffnung auf eine Veränderung hin zu einem Land, in dem tatsächlich eine Existenz gesichert wird, wenn der- oder diejenige es nicht mehr aus eigenen Kräften schafft. Wenig Hoffnung auf eine Rückkehr zu einem Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer das auf Vertrauen zueinander aufbaut, auf gegenseitiger Achtung und Verantwortung. Wenig Hoffnung auf einen ruhigen und freudvollen Lebensabend für die, die ihre Arbeit in diesem Land getan haben und allemal ein Recht auf einen gesicherten Lebensabend haben.

Nur ein Umdenken kann dieser Gesellschaft noch helfen. Ein Denken, das auch denen eine Chance gibt, die sich heute töten weil sie vermeintlich schwach zu sein scheinen. Doch sie sind nicht schwach, sie wurden geschwächt, und das immer wieder, bis sie es nicht mehr aushielten. Jeder Mensch ist ein Teil unserer Gesellschaft und er ist ein wertvoller Teil, egal wie behindert, krank oder sonderbar er ist. Und er ist wichtig für die Gesellschaft, denn der eine lernt vom anderen. Der Gesunde vom Kranken, der Junge vom Alten, der Alte vom Jungen, das Kind von den Eltern, die Eltern vom Kind, der Nichtbehinderte vom Behinderten, der Aktive vom Depressiven usw. Diese Gesellschaft wurde erbaut als ein Schmuckkästchen und jeder von uns ist ein Edelstein darin. Lassen wir keinen davon mehr aus dem Kästchen fallen. Bitte!

Resonanz und Dank

Aug
2

Ich möchte mich auf diesem Wege bei denen bedanken, die meinen Aufruf für den “Tag der Opfer deutscher Sozialgesetzgebung” weiter verbreitet haben und die dies anonym taten.

Die Resonanz war, wie erwartet, gleich Null. Ich erhielt keine einzige Rückmeldung bezüglich der Teilnahme an der Aktion aus dem Kreis der Erwerbslosenforen oder -organisationen. Mit Ausnahme der Foren und Websites von Dirk Grund. An ihn einen besonderen Dank.

Besonderer Dank gilt auch Andreas Klamm, der über seine Radio- und Fernsehseiten reichlich “Werbung” für diese Aktion machte. Der spezielle Blog meiner Website zu diesem Thema wird bestehen bleiben.
Allen, die vielleicht denken sie müssten sich nicht mit diesem Thema beschäftigen oder alles wäre eh nur übertrieben aufgepauscht; allen die sich noch als die “Stärkeren” in der Gesellschaft fühlen, möchte ich mit auf den Weg geben:

Es kommt der Tag, dann werdet auch Ihr die “Schwachen” sein und dann werdet Ihr Euer bisheriges Denken verfluchen.

TAG DER OPFER DEUTSCHER SOZIALGESETZGEBUNG

Jul
24

am 01. August

Das Hartz-Konzept ist eine Bezeichnung für Vorschläge der Kommission „Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“, die in Deutschland unter der Leitung von Peter Hartz tagte und im August 2002 ihren Bericht vorlegte. Die Kommission wurde von der Bundesregierung unter Gerhard Schröder eingesetzt. Erklärtes Ziel des Hartz-Konzeptes war es, innerhalb von vier Jahren die Arbeitslosenzahl von damals vier Millionen zu halbieren. Dieses Ziel konnte nicht annähernd erreicht werden.Dieses Ereignis sehe ich als Schlüsselereignis für eine äußerst negative Umgestaltung des Sozialstaates in Deutschland. Mit einer weiteren, umfangreichen Verarmung breiter Bevölkerungsschichten brachte diese “Reform” allerdings auch das wirkliche Ausmaß an Armut in Deutschland zu Tage. Ich möchte den 01. August als einen Gedenktag und Aktionstag sehen. Gedenken für die Menschen, die aufgrund einer Benachteiligung, Missachtung der Menschenwürde, Missachtung der Bürgerrechte und charakterlicher Defizite einzelner Verantwortlicher, ihr Leben verloren oder dieses selbst beendeten, weil sie keine Möglichkeit mehr sahen hier existieren zu können, bzw. obdachlos, krank wurden oder waren, und man ihnen sogar das existentiell Notwendigste verweigerte.
Aktionen die auf die bestehenden Missstände aufmerksam machen sollen.
Besonders gedenken wir hier Opfern und Kämpfer gegen dieses Unrecht die heute nicht mehr leben. Stellvertretend für alle sollen genannt werden:

Detlef Rochner “Detti der Kampfrentner” aus Berlin, Sozialaktivist, er nahm sich 2007 das Leben.
André Kirsch aus Speyer, schwer an Depressionen erkrankt. Ihm wurden alle Leistungen gestrichen. Er verhungerte.
und noch viele mehr, die öffentlich wurden oder im Verborgenen blieben. An diesem Tag und in der übrigen Zeit soll aber auch denen gedacht und Hilfe zuteil werden, wie es uns möglich ist, die zur Zeit unter dieser menschenverachtenden sozialen Struktur leben müssen und täglich um ihr Überleben kämpfen!
Gerade in diesem Bereich, in dem schrittweise scheinbar eine Erprobung zur Beschneidung und wahrscheinlich dann gänzlichen Abschaffung garantierter Bürgerrechte stattfindet, brauchen wir unbedingt eine breite Solidarität! Ein gemeinsamer Geist muss uns verbinden und wir müssen uns gegen diese Bestrebungen, die ihren Ursprung in verschiedenen Bereichen unseres Staates haben, konsequent wehren. Ich rufe hier alle auf, Singles, Rentner, Familien, Paare, Väter, Mütter; ALLE müssen wir uns dagegen stellen, damit nicht mit der Relativierung der Bürger- und Menschenrechte, des Grundgesetzes, unsere persönliche Freiheit, die Zukunft unserer Kinder, ein freiheitlicher Geist und letztlich die Würde jedes Einzelnen von uns und die Würde eines freiheitlichen Gemeinwesens zugrunde gehen.
Bleibt nicht zuhause, lasst Euch aktivieren! Setzt Euch ein für Eure Rechte, für ein Deutschland unter einem freiheitlichen Geist. Für ein Europa mit tragfähigen und ewig gültigen moralischen und ethischen Werten. Für eine Gesellschaft in der ein Jeder leben kann, egal ob er behindert ist, krank ist, schwul oder lesbisch ist, egal ob alt, jung, oder mit einer anderen Hautfarbe, einer anderen Kultur oder einer anderen Sprache. Dieser Planet ist uns nur geliehen, wir leben alle auf dem einen Planeten. Die Grenzen haben wir gezogen, die waren nicht von Anfang da. Wenn sich der Mensch schon als das Kronjuwel der Lebewesen hier sieht, dann sollte sein Zusammenleben mit allen anderen Lebewesen auch von Menschlichkeit geprägt sein. Und der Beginn aller Menschlichkeit ist das Füreinander-da-sein!
Ich würde mich freuen, wenn auch andere Betroffene und Organisationen meine Anregung zu einem gemeinsamen Gedenktag und Aktionstag unter der eben beschriebenen Thematik und Problematik aufgreifen würden. Für Rückmeldungen dahingehend wäre ich dankbar.
„Die Menschen haben gelernt wie Vögel zu fliegen und wie Fische zu schwimmen, aber sie haben nie die einfache Kunst der Brüderlichkeit gelernt.“ „Wir neigen dazu, Erfolg eher nach der Höhe unserer Gehälter oder nach der Größe unserer Autos zu bestimmen als nach dem Grad unserer Hilfsbereitschaft und dem Maß unserer Menschlichkeit.“
„Kein Problem wird gelöst, wenn wir träge darauf warten, dass Gott sich darum kümmert.“

(Martin Luther King jr.)
“Freiheit ist immer auch Freiheit des anders Denkenden.” (Rosa Luxemburg)
“Stärke wächst nicht aus körperlicher Kraft – vielmehr aus unbeugsamen Willen.”
“Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.”(Mahatma Gandhi)

 
icon for podpress  YouTube: Play Now | Play in Popup | Download

 
icon for podpress  YouTube: Play Now | Play in Popup | Download

 
icon for podpress  YouTube: Play Now | Play in Popup | Download